KWK auf Heizungsmessen kaum vertreten

Indifferente Marktsituation sorgte für deutliche Zurückhaltung seitens der Hersteller

Wie steht es um die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)?

Die zuletzt rückläufige Marktentwicklung spiegelte sich auch im Produktangebot auf den beiden Frühjahrsmessen des Jahres 2024 wider – der SHK+E im März in Essen und der IFH/Intherm im April in Nürnberg. So gab es Fehlanzeige bei Brennstoffzellenheizgeräten. Zumindest motorbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) zeigten Flagge.

Wer sich im Jahr 2024 und auf den beiden Frühjahrsmessen SHK+E im März in Essen und IFH/Intherm im April in Nürnberg umfassende Informationen über das Produktangebot an effizienter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) einholen wollte, wurde arg enttäuscht. Brennstoffzellenheizgeräte waren gar nicht erst vertreten und motorbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) rar gesät. Bei Letzteren wurde das HeizungsJournal fündig bei der Kraftwerk Kraft-Wärme-Kopplung GmbH, Hannover (Abb. 1), der RMB/Energie GmbH, Saterland (Abb. 2), und der Tuxhorn Blockheizkraftwerke GmbH, Borken (Abb. 3).

Die Marktsituation war in den zurückliegenden Jahren aber auch äußerst indifferent (Abb. 4 und 5). Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) erfasst den Absatz von Brennstoffzellenheizgeräten und Verbrennungsmotoren mit einer elektrischen Leistung von bis zu 50 Kilowatt. Hier brach der Markt um rund die Hälfte ein (- 49 Prozent). Nur noch für insgesamt 3.000 Geräte fanden sich Käufer. Dieser Trend setzte sich auch in diesem Jahr fort. Eine langwierige politische Debatte um den Wärmemarkt sorgt weiter für Verunsicherung bei Verbrauchern – mit einer deutlichen Eintrübung für Wärmeerzeuger, meldet der BDH. So ist auch der Absatz im KWK-Segment nochmals eingebrochen: Nur noch 500 Geräte konnten im ersten Quartal 2024 verkauft werden, 44 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Sehr verhaltene Nachfrage

2023 bekamen besonders KWK-Anlagen im kleinsten Leistungsbereich bis 2 Kilowatt elektrisch – vorrangig Brennstoffzellenheizgeräte – die Verwerfungen im Energiemarkt zu spüren. Für motorbetriebene Blockheizkraftwerke im Leistungsbereich von rund 10 bis 50 Kilowatt elektrisch zeigte sich der Markt im Vergleich dazu noch relativ stabil. Dies wird auch in der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vorgelegten Statistik über die Zulassung von KWK-Anlagen nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) deutlich. Darin wird die Anzahl der beim BAFA zugelassenen neuen, modernisierten und nachgerüsteten KWK-Anlagen aufgeführt – differenziert nach Größenklassen und Inbetriebnahmejahren.

Insgesamt verzeichnet das BAFA einen Markteinbruch um ein Drittel (rund 33 Prozent) auf 1.853 Anlagen. Doch man weist gleichzeitig auch darauf hin, dass die ausgewiesenen Zulassungszahlen für die Inbetriebnahmejahre 2022 und 2023 nur sehr eingeschränkt aussage-kräftig seien, da unter anderem Zulassungsanträge für Inbetriebnahmen aus 2023 noch fristgerecht bis Ende 2024 eingereicht werden können und nicht alle in 2023 eingegangenen Zulassungsanträge abschließend geprüft wurden. „Die Zulassungsstatistik dient der Übersicht der Zulassungen nach dem KWKG und versteht sich nicht als Bestandsliste aller KWK-Anlagen im Bundesgebiet.“

BHKW plus Wärmepumpe im Fokus

Während, wie erwähnt, der Absatz im Privatkundenbereich im Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser eingebrochen ist, bestand weiterhin konstanter Bedarf an dezentralen Energielösungen mit effizienter KWK im Bereich von Industrie und Gewerbe sowie für die Versorgung von Objekten, Quartieren und Wärmenetzen. Erst recht, wenn man das beherrschende Thema der diesjährigen Frühjahrsmessen mit einbezieht – die Wärmepumpe. „Die intelligente Kombination von BHKW und Wärmepumpen ermöglicht eine maximale Flexibilität in der dezentralen Strom- und Wärmeerzeugung“, berichtete Kraftwerk.

Ihre BHKW der Marke Mephisto im Leistungsbereich von 8 bis 50 Kilowatt elektrisch seien kompatibel mit Erdgas, Flüssiggas, Biogas und anteiligem Wasserstoff. Passend dazu würden beispielsweise auch Luft/Wasser-Wärmepumpen mit einer thermischen Leistung von 24 und 50 Kilowatt angeboten. Die Monoblock-Geräte setzen auf das Kältemittel Propan und lassen sich kaskadieren. „BHKW und Wärme-pumpen bieten unterschiedliche Vorteile, welche sich im Kontext der Energiewende hervorragend ergänzen“, so Kraftwerk.

„Die Kombination einer Wärmepumpe mit einem neoTower-Blockheizkraftwerk stellt einen effizienten und umweltfreundlichen Weg der Raumbeheizung dar“, bekräftigte auch RMB/Energie. „Diese Hybridlösung nutzt die Vorteile beider Technologien, um optimale Energieausnutzung und Kosteneffektivität zu erzielen.“ Das zur Yanmar-Gruppe gehörende Unternehmen bietet neoTower in 15 verschiedenen Modellen an, mit Leistungen von 2 bis 50 Kilowatt elektrisch. Durch die serienmäßige Leistungsmodulation um bis zu 50 Prozent entstehe eine eng gestaffelte Produktpalette. So würde man für nahezu jede Anforderung und jedes Objekt ein passendes Modell finden. Auch sei die Kombination mit fast allen gängigen Wärmepumpen möglich, entsprechend den individuellen Präferenzen, lokalen Gegebenheiten und technischen Anforderungen.

Wärmepumpen arbeiten bei milderen Temperaturen, wie im Frühling und Herbst, besonders effizient. BHKW treten bei niedrigeren Außentemperaturen in Aktion. Die Abwärme des Verbrennungsmotors wird als Heizenergie genutzt. Dies sei bei Kälte effektiver und kostengünstiger als eine reine Wärmepumpenheizung. Doch der besondere Vorteil liege in der Synergie, unterstrich RMB/Energie. Denn in der Hybridkonfiguration nutzt die Wärmepumpe den vom BHKW erzeugten Strom, wodurch der Bedarf an extern bezogenem Strom minimiert wird. „Dies erhöht die Gesamteffizienz des Systems und reduziert Energiekosten wie auch Kohlendioxid-Emissionen. Das System kann flexibel auf unterschiedliche Temperaturanforderungen reagieren. Zudem lassen sich derartige Hybridsysteme auch in Bestandsbauten praktisch und kosteneffizient einsetzen, ohne dass umfangreiche Gebäudesanierungen notwendig sind. Dies liegt daran, dass sie höhere Vorlauftemperaturen zu liefern vermögen, wie sie für ältere Heizkörper oder schlechter isolierte Gebäude erforderlich sein können.“

Tuxhorn hob für seine BHKW unter anderem eine kompakte Bauweise, eine Top-Serienausstattung und exzellente Wirkungsgrade durch Turbo aufgeladene Motoren hervor. Erhältlich sind sie in verschiedenen Baureihen sowohl für Erdgas und Flüssiggas als auch für Biogas/Klärgas. Das Leistungsspektrum reicht von 30 bis 250 Kilowatt elektrisch. Das Einsatzspektrum sei entsprechend vielseitig. Typische Einsatzgebiete seien neben der Industrie besonders auch Wohnanlagen, Hotels, Krankenhäuser und Seniorenzentren, Nahwärmenetze, Verwaltungen, öffentliche Gebäude, Schwimmbäder und Schulen sowie Kläranlagen, Landwirtschaft und Gartenbau. „Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen zufriedene Kunden“, unterstrich Tuxhorn. In einem persönlichen Gespräch werde das perfekte Konzept entwickelt, von der Analyse bis zur Montage. Dazu würden unter anderem alle relevanten Daten erfasst und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erarbeitet, bis zur umfangreichen Einschätzung der geplanten Maßnahmen.

Dienstag, 23.07.2024